Manchmal schenkt dir das Leben einen zweiten Geburtstag.

Trail-Running Picos de Europa

Dabei muss dieser nicht immer mit Kerzen und Kuchen verbunden sein.

Für viele Menschen ist es nur ein Tag ihres Lebens.
Doch dieser eine Tag ist so besonders, dass er den Rest des Lebens beeinflusst.

Meinen Tag dieser „besonderen Art“ erlebte ich am 27. Juni 2026.

Und dann der eine Moment, der vieles in meinem Leben veränderte.
Sekunden, die in meinem Leben noch lange nachwirken werden:

  • Ein falscher Tritt.
  • Rechter Fuß weg.
  • Gleichgewicht verloren.
  • Der Versuch, mich an Halmen festzuhalten.
  • Rücklings weggefallen.
  • Die Uferböschung:  felsig und steinig.
  • Ein Sturz über 7 Meter.
  • Drei Überschläge.
  • Fehlende Erinnerungen.
  • Gelandet im Ufer des Sees.
  • Bewußtsein erlangt.
  • Erster Gedanke: Ich lebe noch.
  • Zweiter Gedanke: Ich spüre meine Hände und Füße.
  • Dritter Gedanke: Es tut weh.

Ein Mann, der den Sturz vom gegenüberliegenden Rand des Sees mit seiner Familie beobachtete, eilte mir sofort zur Hilfe. Das Erste, was ich an ihm erkannte, war das Tattoo auf seiner linken Hand: ein Kreuz.

In diesem Moment kam etwas Unerwartetes mit einer tiefen, ruhigen Gewissheit in mir hoch. Es war Gottes Wille, dass mir bei diesem Unfall nichts Schlimmeres passierte. Ich fühlte, dass er seine Engel zu mir sandte, um mich zu beschützen. Kein großes Spektakel, sondern ein stilles Eingreifen, das mich getragen hat. Und einer seiner Engel war dieser Mann, der mir wenige Momente nach meinem Sturz zu Hilfe eilte.

Wenige Sekunden meines Lebens.
Und doch war und ist plötzlich alles, was vorher so selbstverständlich war, nicht mehr garantiert.

Der 27. Juni 2026 machte mir im Nachgang sehr deutlich bewusst, wie zerbrechlich und gleichzeitig kostbar das Leben ist.

Ab diesem Jahr feiere ich nun zweimal im Jahr Geburtstag.
Nicht, weil ich dem Schmerz nachhänge, sondern weil ich das Überleben feiere.

Zweimal Geburtstag zu haben heißt für mich aber nicht doppelt zu feiern, sondern doppelt dankbar zu sein.
Für das Bewahrt werden.
Für die leise Hand, die mich gehalten hat.
Für meine zweite Chance und das klare Gefühl, dass jeder Tag zählt.

Das ist jetzt etwas mehr als drei Wochen her.
Immer noch blicke ich voller Demut und Dankbarkeit zurück.
Körperlich habe ich außer einem stark verstauchten, linken Knöchel, einem gebrochenen Mittelhandknochen, tiefe Schürfwunden, Nierenprellungen und Blutergüsse, nichts weiter davongetragen.

Natürlich werde ich im kommenden Jahr wieder an diesem Rennen teilnehmen, es beenden gesund und ganz im Ziel einlaufen.

Einmal Kämpfer, immer Kämpfer.
Einmal Sportler, immer Sportler.


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