Eindrücke aus dem Kieler Landtag – der parlamentarischen Welt

Neuordnung meiner parlamentarischen Welt


Ein Gastbeitrag von Michael Wiedemann

Das erstmalige Betreten eines Landesparlamentes ist etwas besonderes, auch wenn man schon 64 Jahre alt ist. Die heutige aktuelle Stunde zur Informationspolitik der Landesregierung über die Situation in Boostedt, von der AfD-Fraktion Schleswig-Holstein eingebracht, ist das Thema.

Dementsprechend gespannt, ja sogar ein Stück weit aufgeregt ist meine Stimmung. Das Ambiente unterstützt diese Spannung. Kontrolle, Ausweis vorlegen, Vereinzelungsschranke und dann das  Repräsentative des Gebäudes, samt der lichtdurchfluteten Lobby,  lassen mich „Gepflegtes und Demokratisches“ erwarten.

Knapp 1,5  Stunden später war meine „parlamentarische Welt“ reichlich in Unordnung geraten.

Aber nicht nur meine, auch die meiner Begleiter.  Gerne erspare ich mir inhaltliche Dinge, die schienen mir bei den Parlamentariern der anderen Parteien auch nebensächlich. Die alte Platte wurde sofort aufgelegt… AfD´ler sind Rassisten, ausländerfeindlich, Populisten, Hetzer und mehr von dem Üblichen.

Jeder der Volksvertreter kippte  seinen eingeübten Mist über unserer Partei aus, noch schlimmer, auch über uns, deren demokratischen Wähler.

Schaufensterreden  vom Allerfeinsten, begleitet vom parteiübergreifenden Applaus. Jeder Redner entsprach seiner erwarteten Rolle. Das ist Parlament, das sind Vertreter des Volkes? 

Neben Entsetzen stieg letztendlich Wut in mir auf. Bin ich so blöde,  um als AfD-Wähler nicht zu bemerken, dass ich Rassisten, Ausländerfeinden, Populisten usw. auf den Leim gegangen bin? Wo bleibt da meine Würde als Wähler, Demokrat,  Ehrenamtler und Steuerzahler über viele Jahre hinweg? War ich eigentlich schon immer Rassist,  auch als ich noch andere Parteien mit meiner Stimme unterstützte? Bin ich es erst geworden, weil die Vertreter der Altparteien als Glaubenssatz verkünden, überzeugte AfD´ler seien  eben per se Rassisten? Wer hetzt hier eigentlich gegen wen?

Wo soll man denn hin mit seinen Sorgen, wenn viele Mitbürger tiefste Verunsicherung über Entwicklungen in unserem Land ergreift?

Der Puls ging noch einmal hoch, als ich im Anschluss an diese Komödie, von den Fraktionsmitgliedern erfuhr, dass dies das übliche Prozedere in Parlamentsdebatten unserer Partei gegenüber sei. Oh je. 

Sensiblere Gemüter könnten sich nach diesen Erfahrungen als Demokraten zweiter Klasse fühlen; nee, denke ich mir,  wir werden genau so weitermachen. Demokratie ist zu wertvoll um sie denen zu überlassen!!!

Beim Verlassen des Gebäudes fühlte ich mich richtig gut. Ich weiß, der Weg der Diffamierung ist ein Irrweg, unsere Anliegen sind berechtigt und werden in nicht ferner Zukunft mit Anstand behandelt werden – auch im Parlament.

In dubio pro Germania 

2 Gedanken zu “Eindrücke aus dem Kieler Landtag – der parlamentarischen Welt”

  1. Ein nachdenklich stimmender Bericht aus dem Kieler Landtag. Es scheint alltäglich geworden zu sein, den politischen Gegner und damit auch die Wähler verächtlich zu machen, zu beleidigen und zu diffamieren. Damit desavouieren sich die Abgeordneten aber letztendlich selbst. Denn die Bürger wollen, dass die Abgeordneten der demokratisch gewählten Parteien zwar hart in der Sache, aber fair in der Auseinandersetzung um die jeweils besten politischen Lösungen ringen, und dass sie sich gegenseitig sowie alle Wähler respektieren. Dies ist sozusagen die conditio sine qua non einer funktionierenden Demokratie.

    • Sehr geehrter Herr Czernohous,
      vielen Dank für Ihren Kommentar, auf den ich huete leider erst antworten kann.
      Ja, die geschilderten Erfahrungen machen alle Mandatsträger der AfD – egal ob im Bundestag, Landtag oder in den Kommunalparlamenten.
      Wir stehen für eine ideologiefreie und sachorientierte Politik über Parteigrenzen hinweg. Denn es geht bei den Entscheidungen nicht um parteipolitisches Geplänkel, sondern darum, das Leben der Menschen zu verbessern. Bei dieser Aufgabe darf kein Parteibuch erste Priorität haben. Leider aber sehen das die Vertreter der Altparteien komplett anders. Aber wir geben nicht auf und arbeiten weiterhin mit allen Kräften für einen Politikwechsel in Deutschland.
      Mit alternativen Grüßen
      Christian Waldheim

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