Soziales Zentrum & Interventionistische Linke – Hat Norderstedt ein Extremismusproblem ?

Sicherlich ist Ihnen das abgebildete Plakat in den vergangenen Tagen in Norderstedt auch schon aufgefallen.


Plakat Antira-Turnier Norderstedt


Auf diesem bewirbt das „Soziale Zentrum“ aus Norderstedt das von ihr am 30. Juni 2018 auf dem Gelände des Norderstedter SV veranstaltete Fußballturnier.

Um mir dieses Plakat aus direkter Nähe anschauen zu können und auch um weitere Infos zu erhalten, blieb ich stehen und sah die im unteren Plakatteil abgebildete Internetadresse (www.soziales-zentrum.de), die mir sicherlich einige meiner Fragen beantworten würde können.

Was ich aber nach Eingabe der URL in die Adresszeile des Browsers sah, war eine Webseite, die sich offensichtlich im Offline-Modus befand:

Bildquelle: Screenshot Webseite Soziales Zentrum
Bildquelle: Screenshot Webseite Soziales Zentrum

Neben einigen Terminen war dort aber zumindest die Facebook-Seite des Zentrums verlinkt, auf der ich dann auch einen entsprechenden Beitrag vom 29. Mai 2018 fand, in dem mitgeteilt wurde, dass die Webseite „gehacked“ worden sei und man derzeit an einer Lösung arbeite.

Was mich aber an der Adresszeile des Browsers aufmerken ließ, war der Umstand, daß nicht mehr die ursprüngliche Domain, sondern nun die nachfolgende Domain angezeigt wurde:

Somit war klar, dass die eigentliche Domain des Zentrums auf eine sog. Sub-Domain umgeleitet wurde zu einem Hoster Nadir. Von der Neugier gepackt, wollte ich wissen, wer sich hinter Nadir verbirgt und wurde sodann auch unter www.nadir.org fündig.

Dieser Hoster stellt sich wie folgt selbst dar:

Bildquelle: Screenshot Webseite nadir.org
Bildquelle: Screenshot Webseite nadir.org

Radikale Linke ?

Was hatte das “Soziale Zentrum“ in Norderstedt mit radikalen Linken zu tun, denn bei Facebook erweckt das Zentrum eher den Eindruck eines Kulturzentrums, als den eines Hortes radikaler Linker.

Bildquelle: Screenshot Webseite Soziales Zentrum

Bildquelle: Screenshot Webseite Soziales ZentrumWie ist das mit „radikalen Linken“ in Einklang zu bringen fragte ich mich weiterhin, als ich, primär auf der Suche nach weiteren Informationen zu dem Turnier, unter dem entsprechenden Tab „Veranstaltungen“ weitere Infos zu dem Turnier fand.

Die sich mir dargestellten Infos ließen mich erst einmal nicht weiter daran zweifeln, dass das Norderstedter Zentrum Veranstalter und Ausrichter des Turniers ist. Jedoch ließ mich gedanklich nicht los, was ich kurz zuvor in der Selbstdarstellung bei nadir.org las.

Zufällig wurde mir im selben Moment ein von der Frankfurter Allgemeine verlinkter Artikel „Mehr Gewalttaten durch Linksextremisten“ angezeigt. Dieser Artikel berichtete über einen Bericht des Verfassungsschutzes, der eine zunehmende Gewaltbereitschaft von Linksextremisten in Deutschland beklage und feststellte.

Nach Lesen dieser Mitteilung fiel mir spontan wieder das in der Welt am 30.06.2014 veröffentlichte Zitat der ehemaligen Bundesfamilienministerin und heutigen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, ein: „Linksextremismus ist ein aufgebauschtes Problem“

Dieses Zitat war mir noch allzu gegenwärtig und so fragte ich via Twitter Frau Schwesig, ob ihre Aussage, auf Grundlage des vom Verfassungsschutzes gemeldeten Anstiegs in Bezug auf Linksextremismus, immer noch ein “aufgebauschtes Problem” sei.

Bildquelle: Screenshot Twitter
Bildquelle: Screenshot Twitter

Im Übrigen ist die Information des Verfassungsschutzes auch im Original nachzulesen. Interessant hierbei ist folgender Sachverhalt:

„Die „Interventionistische Linke“ (IL) ist die mobilisierungsstärkste Organisation im Linksextremismus. Sie betreibt eine erfolgreiche Radikalisierungsstrategie, die sie gezielt in ihrer Bündnisarbeit einsetzen. Ein wesentliches Merkmal ihrer Kampagnen ist der Verzicht auf die offene Propagierung von Gewalt, auch Nicht-Extremisten für ihre Positionen zu gewinnen.“

Wenngleich die IL keine Unbekannte ist, war die vom Verfassungsschutz festgestellte Strategie mir aber neu und ich suchte ich die Internetseite der IL auf.

Auf der Homepage der IL unter „Termine“ sah ich dann einen Eintrag, der mir den Atem stocken ließ, denn als erster Eintrag wurde dort das Antira-Turnier des Norderstedter Zentrums in Norderstedt beworben.

Bildquelle: Screenshot Webseite IL
Bildquelle: Screenshot Webseite IL

Ich begann zu lesen und mußte bei einigen Textzeilen dreifach hinsehen und doppelt lesen, um ganz sicher zu sein, was ich dort zu Lesen bekam. Offensichtlich war der Text dieses Eintrages vollkommen identisch mit dem Veranstaltungseintrag auf der Facebook-Fanpage des Zentrums.

Mir aber fiel auf, dass, anders als es sich auf den Plakaten in Norderstedt darstellte, die IL sich hier als „heimlicher“ Veranstalter entpuppte und dies aufgrund folgender textlich identischen Aussagen:

„Deshalb laden wir alle Teilnehmer_innen dazu ein, gemeinsam für einen entspannten und fußballbegeisterten Tag zu sorgen. Dazu gehört für uns überzogen aggressives Verhalten und Beleidigungen gegenüber anderen zu unterlassen. Als Organisator_innen behalten wir uns vor, Leute, die sich nicht daran halten, vom Turnier auszuschließen.“

Besonderes interesssant aber ist die Tatsache, dass die E-Mail Adresse zur Anmeldung keine des Zentrums , sondern klar als eine der IL zu identifizieren ist:

„Zudem werden wir in diesem Jahr so verfahren, dass wir nur Teams mitspielen lassen, die sich bereits im Vorfeld per Mail bei uns angemeldet haben. Deshalb bitten wir Euch um möglichst zeitnahe Anmeldungen bis zum 23.06. an norderstedt |at| interventionistische-linke.org.“

Zum Abschluss dann noch:

Interventionistische Linke Norderstedt,
für das Soziale Zentrum Norderstedt

Wenn eine vom Verfassungsschutz beobachtete, linksextremistische Gruppierung, der ein erhebliches Gewaltpotential bescheinigt wird, ein in Norderstedt stattfindendes Turnier gegen Extremismus in dieser Form aktiv bewirbt und ganz offensichtlich zudem noch Veranstalter ist, muß die Frage aufgeworfen werden, welche Verbindungen zwischen dem Zentrum und der IL bestehen.

Aus meiner Sicht besteht dringender Klärungs- und Handlungsbedarf bei Politik, Verwaltung und Polizei, denn es bleiben einige Fragen offen:

  • Wer hat die Veranstaltung bei der Stadtverwaltung Norderstedt angemeldet ?­
  • Weiß die Stadtverwaltung Norderstedt und der Norderstedter SV um den hier geschilderten Sachverhalt?
  • Welche generellen Verbindungen bestehen zwischen der IL und dem Zentrum?
  • Wie weit verstrickt ist das Zentrum im organisierten Linksextremismus ?
  • Welche Unterstützung (personell, finanziell, kulturell) erhält das Zentrum von der Stadt Norderstedt ?

Ich fordere daher alle politisch Verantwortlichen in Norderstedt auf, diesen Bestrebungen entschieden entgegenzutreten. Extremismus, egal ob religiös oder politisch, hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.


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Quellen:

Frankfurter Allgemeine vom 20.06.2018: „Mehr Gewalttaten durch Linksextremisten“
Welt vom 30.06.2014: „Linksextremismus ist ein aufgebauschtes Problem“